Skip to content

11.11.2012 – 24.11.2012
ARCHETYPEN. The End Of The World As We Know It
Henrike Daum, Rohini Devasher, Stef Heidhues, Isa Melsheimer, Katharina Moessinger

Kuratiert von Clemens Klöckner
Gefördert durch das Bezirksamt Pankow

Was ist das eigentlich, Apokalypse? Das Wort ist üblicherweise negativ besetzt, es fällt in Zusammenhang mit Kriegen, Naturkatastrophen und Prophezeiungen des Weltunterganges, wie er uns nach Ansicht mancher mit dem Ende des Maya-Kalenders am 21.12.12 bevorsteht. Apokalypse ist jedoch dem eigentlichen Wortsinn nach nicht nur Katastophe, sondern Enthüllung, Offenbarung, nicht nur Ende, sondern auch Neubeginn. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen, bringt neue Archetypen für eine neue Welt hervor, aus Ende wird Veränderung.

Berlin ist eine Stadt ständiger Veränderung, somit auch permanenter Apokalypsen. Die REH-Kunst selbst ist ein Vertreter neuer Archetypen, die sich ihren Weg aus einer alten in eine neue Welt gebahnt haben. Was nach Krieg und Zerstörung zuhauf vorhanden war, wüste Brachflächen, wird in einer Zeit, in der die Bewohner des Prenzlauer Berges die apokalyptische Bedrohung ihrer Lebenswelt „Gentrifizierung“ nennen, zum kostbaren Gut. Auf einer der letzten dieser Flächen steht seit einiger Zeit die Raumerweiterungshalle REH, ein „lebender“ Anachronismus, ein Relikt aus DDR-Zeiten. Ihre temporäre, mobile Architektur, nach der Wende als nicht mehr zeitgemäß angesehen und fast vergessen, scheint wie prädestiniert für eine Welt ständig mobilen, großstädtischen Nomadentums. Jederzeit zerleg- und zusammenfaltbar, fungiert sie für einen kurzen Zeitraum als „Arche“, als Refugium für eine Reihe potentieller Archetypen.

Henrike Daums installative Videoarbeiten fokussieren Ausschnitte des Alltags- und Naturlebens, die man häufig eher übersieht. Ihre harmlos aussehenden Marienkäfer und Quallen haben apokalyptisches Potential: Massenhafte, durch menschliche Eingriffe ins Ökosystem verursachte Vermehrung führte im Extremfall sogar schon zum Ausfall von Atomkraftwerken.

Die Videos der indischen Künstlerin Rohini Devasher, in diesem Jahr als Artist in Residence am Berliner Max-Planck-Institut, untersuchen mit Hilfe von Feedback-Verfahren die Entstehung von pulsierenden Mustern, die zellartigen Charakter gewinnen und eine alternative Evolution simulieren – Ghosts in the Machine.

Graue, unglasierte Keramiken von Stef Heidhues zeigen futuristische Körperprotektoren, zerbrechliche Panzer, die masken- und wesenhaft wirken. Eine künstliche Rasse sich verselbständigender, menschlicher Prothesen.

In Isa Melsheimers feinen Gouache-Arbeiten bevölkern Tiere und seltsame Mischwesen eine menschenleere Umwelt aus brutalistischer Betonarchitektur. Die Bauutopien der Moderne werden zur Hintergrundfolie für ein posthumanistisches Zeitalter.Katharina Moessingers Turnböcke verlebendigen sich, liegen wie junge Fohlen im Ausstellungsraum. Die künstliche Form wird zur natürlichen, erinnert an roboterhafte Gebilde, wie sie die amerikanische Armee derzeit als Lastträger für Soldaten entwickeln lässt.

Archetypen. The End Of The World As We Know It

Archetypen. The End Of The World As We Know It

Archetypen. The End Of The World As We Know It

Archetypen. The End Of The World As We Know It

Archetypen. The End Of The World As We Know It

Archetypen. The End Of The World As We Know It