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14.3.2013 – 23.3.2013
RE-MADE // RE- USED
Lars Bjerre, Surya Gied, Christian Henkel, Moritz Hirsch,Philipp Ricklefs, Marija Stanković, Madeline Stillwell
Kuratiert von Valeska Hageney, Laura Haaber Ihle, Marie Arleth Skov

Wir freuen uns nun, nach der Winterpause, auf die erste Ausstellung 2013 in der REH Kunst. Die Gruppenausstellung RE-MADE // RE-USED thematisiert die Umwandlung von Kulturmüll, Gebrauchsutensilien oder Baumaterialien zu Kunstwerken. Gezeigt werden Arbeiten, die aus Materialien oder Gegenständen bestehen, die ursprünglich für eine andere Funktion vorgesehen waren oder in einem kunstfernen Kontext entstanden sind. Die Werke sind weniger Ready-Mades im Duchampschen Sinne, sondern vielmehr Re-Mades, – Gegenstände, die aus ihrem Ursprungskontext herausgenommen und künstlerisch vollständig rekonstruiert wurden.

Die Werke der beteiligten Künstler zeigen verschiedene Herangehensweisen und Positionen in Bezug auf dem Motiv der Wiederverwendung. Häufig greifen Künstler auf ihr unmittelbares Umfeld zurück und zeigen Elemente alltäglicher Wirklichkeit, wobei die Zugänglichkeit von Materialien ebenfalls eine Rolle spielt. Zu den verwendeten künstlerischen Strategien gehören Re- Kontextualisierungen von gebrauchten und weggeworfene Gegenständen, sowie ästhetisierenden Umdeutungen von Alltagsobjekten.

Surya Gied (*1980) hat für die Ausstellung eine raumspezifische Bodeninstallation (Untitled Yet, 2013) geschaffen, die aus wiederverwendeten Flächen wie Aluminiumgitter, Holzleisten, bemalten Spannplatten und Leinwände zusammengestellt wird. In ihrer Arbeit setzt Gied diese gefundenen Objekte zu einem neuen Konstrukt zusammen, welches sie mit Gummibändern beklebt und mit Lack besprüht, so dass eine geometrische, dynamische Montage entsteht, deren Linien und Flächen die Gegebenheiten des Raumes aufgreift.

Madeline Stillwell (*1978) arrangiert in ihrer Arbeit Yet Untitled Mirrored Sculpture 1 (2013) zusammengeschnittene Photographien von gefundenem Baumaterial auf einer Base von ungebranntem Ton und Spiegelstücken. So entstehen trashige Tableaus, in deren Spiegelfragmente die Dimensionalität der REH Kunst reflektiert wird.

In seiner Arbeit I am a designer (2011) integriert Christian Henkel (*1976) ebenfalls gefundene Baumaterialien, wie z. B. geschnitztes und bemaltes Holz, Porzellan oder altes Metall. Diesen skurrilen, spielerischen Zusammenbau von gefundenen Elementen evoziert trotz der funktionsfreien Phantasieform, die Vorstellung eines Verwendungszwecks. In der zusammengefügten Rekonstruktion ergänzen sich Innovation und Tradition. Die Wiederverwendung hat hier eine handwerkliche Seite, die den bautechnischen Ursprung des Materials berücksichtigt.

Surya Gied, Christian Henkel und Madeleine Stillwell arbeiten somit auf verschiedene Weise mit Aspekten der Fragmentierung. Demgegenüber kann in den Werken von Lars Bjerre, Philipp Ricklefs und Moritz Hirsch eine Sublimierung von Gebrauchsobjekten und Naturelementen gesehen werden. 

Lars Bjerre (*1975) stellt eine Installation von neun profanen Saugglocken (Pümpel, Svupper, Plummer, 2013) aus, die, perfekt sauber aufgereiht, in anziehend abgestimmten Farbvariationen, nun zu Objekten der Begierde werden. Die mit dickem Garn umwickelten Pümpel sind nicht länger als solche brauchbar – im Sinne einer Aneignung des Alltäglichen werden sie stattdessen als Kunstobjekte inszeniert.

Ähnlich ironisch geht auch Philipp Ricklefs (*1981) in seiner Arbeit tater system (2010) vor. Seine Kartoffeln sind nicht länger organisch und essbar, sie sind in glasfaserverstärktem Kunststoff eingebettete, mit 2k-Lack überzogene Neodym-Magnete – ikonographisch eher ein hochtechnisches, wissenschaftliches Experiment als ein Naturprodukt.

Auch die Arbeit Standby (2010) von Moritz Hirsch (*1978) besteht aus, üblicherweise für Baukonstruktionen eingesetzte, Stahlpaneelen, phosphoreszierende Farbe und Packmaterial, hat jedoch die Qualitäten einer klassischen Skulptur: Einfache Eleganz, silbern-schimmernde Oberfläche und Schwere dominieren das Werk.

Eine dritte Kategorie der Wiederverwendung wählt die aus Belgrad stammende Künstlerin Marija Stanković(*1980). Sie hat in ihrer Papierarbeit Filling the Form (2011-2012) gefundene Formulare, aus dem ehemaligen Jugoslawien, mit Farbfeldern ausgefüllt. Säuberlich vervollständigt, wie das Formular es verlangt, erscheinen jedoch anstelle der erfragten Daten, nunmehr bunte Flächen in Pastelltönen und Graphit. Diese Art der Re-Kontextualisierung visualisiert die Frage nach der Bedeutung von sozialen und bürokratischen Formen – durch die künstlerische Wiederverwendung wird die Absurdität sichtbar und das System hinterfragt.

Der Ausstellungsraum an sich – die aus der DDR stammende „RaumErweiterungsHalle“ (REH) – ist ebenfalls ein Konstrukt, das ursprünglich für einen anderen Kontext erfunden wurde und nun als Kunstraum genutzt wird. Es handelt sich um ein modulartiges, architektonisches System, dessen einzelne Raumelemente teleskopartig ausgefahren werden können um einen fest überdachten, umschlossenen und dennoch transportablen Multifunktionsraum zu bilden. In der DDR gehörte die Raumerweiterungshalle zum alltäglichen Leben, lange Zeit hat sie die dortige Architekturlandschaft mitgeprägt.

Im Sommer 2011 gründete Valeska Hageney die REH Kunst in der Kopenhagener Straße als einen Raum für Kunst und Experimente. Sie hat in den letzten eineinhalb Jahren dort zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen kuratiert und organisiert. Seit Januar 2013 leitet Marie Arleth Skov gemeinsam mit Valeska Hageney die REH Kunst. RE-MADE // RE-USED ist die erste gemeinsam kuratierte Ausstellung in erweiterter Regie.

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Re made Re used

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14.3.2013 – 23.3.2013
RE-MADE // RE- USED
Lars Bjerre, Surya Gied, Christian Henkel, Moritz Hirsch, Philipp Ricklefs, Marija Stanković, Madeline Stillwell 
curated by Valeska Hageney, Laura Haaber Ihle, Marie Arleth Skov

After the winter break, we are now pleased to present the first exhibition at REH Kunst in 2013. The group exhibition RE-MADE // RE-USED traces the transformation from trash, everyday articles, or industrial materials to art work. The shown works are all created from materials or objects which were originally made for another purpose or existed in an art-unrelated context. The exhibited artworks are less Ready-Mades in the sense of Duchamp, but rather Re-Mades – artifacts taken from their origin context and completely reconstructed by the artists.

The participating artists show different approaches and positions in regard to the motif of reutilization. Often the artists draw on their immediate surroundings and incorporate elements of their everyday reality, with the accessibility of materials making out a not unimportant aspect. Among the applied artistic strategies are the re-contextualization of used or thrown-away items as well as the aestheticizing reinterpretation of everyday objects.

For the exhibition, Surya Gied (b.1980) has created a room-specific floor installation (Fountain Wall, 2013) which is put together from reused surfaces, such as frames, aluminum grids, clamping plates,, and painted canvases. In her work, Gied assembles these found elements to a new construct, which she then glues and spray paints. The result is a geometric, dynamic montage which relates to the lines and planes of the exhibition space.

In her work Yet Untitled Mirrored Sculpture 1 (2013), Madeline Stillwell (b.1978) arranges cut photographs of found construction materials atop a surface of broken mirrors, raw clay, and ceramic forms which are abstractions of the images in the photographs. The dimensionality of the REH Kunst space is reflected in the mirror fragments of these trashy tableaux.

Christian Henkel (b.1976) also works with found construction materials, such as carved and painted wood, porcelain and old metal pieces, in his work I Am A Designer (2012). In spite of its functionless fantasy shape, this strange, playful assemblage of found elements evokes the notion of a purpose of use. In the merged reconstruction, innovation and tradition blend. Here, the reutilization has an element of craftsmanship to it, which takes the original purpose of the material into consideration.

In each their own way, Surya Gied, Christian Henkel and Madeleine Stillwell all work with aspects of fragmentation. Compared to this, one can find a sublimation of everyday objects and natural elements in the artworks by Lars Bjerre, Philipp Ricklefs and Moritz Hirsch.

Lars Bjerre (b. 1975) exhibits an installation of nine mundane plungers (Pümpel, Svupper, Plummer, 2013) which, perfectly neatly beaded and clad in drawing, fine-tuned color combinations, become objects of desire. Wrapped in thick yarn, the plungers are utterly useless. In a sort of appropriation of everyday life, they are instead staged as works of art.

The approach of Philipp Ricklefs (b. 1981) is similarly ironic. In his work, tater system (2010), the potatoes are no longer organic or edible – they are neodymium magnets, embedded in fibreglass-reinforced synthetics, coated with 2k-varnish. From an iconographic point of view, they are closer to a high-tech scientific experiment than a natural product.

The work Standby (2010) by Moritz Hirsch (b. 1978) is also comprised of materials commonly used for structural design; steel panels, phosphorescent paint, and packing materials. Here, these materials gain the qualities of a classical sculpture; sober elegance, silvery-shimmering surface and severity dominate the work.

A third category of reutilization is chosen by artist Marija Stanković(b. 1980) who grew up in Belgrade. In her paper work, Filling the Form (2011-2012) she has filled out old, found printed forms from the former Yugoslavia with color fields. As required, the forms are neatly completed – but instead of the inquired data, the boxes are filled in with pastel color and graphite. This way of re-contextualizing visualizes the question of the consequences of social and bureaucratic forms – through the artistic reutilization, the absurdity is displayed and the system is scrutinized.

The exhibition space itself – the GDR Raumerweiterungshalle (REH, literally, space-extending building) – is a construction originally made for another purpose and context, which is now being re-used as an art and project space. REH refers to a modular architectonic system whose individual elements can be telescopically extended to form a multi-functional space that remains transportable despite its solid roof, floor, and walls. The REH was a part of everyday life in East Germany and long helped shape its architectural landscape.

In the summer of 2011, Valeska Hageney founded REH Kunst in the Kopenhagener Strasse in Berlin’s Prenzlauer Berg as a space for art and experiments. In the last one and a half years, she has organized and curated several exhibitions there. Since January 2013, Marie Arleth Skov has joined Valeska Hageney to run the program contents of REH Kunst. RE-MADE // RE-USED is the first jointly curated exhibition by the new team.