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Geschichte der REH

Bei der transportablen Raumerweiterungshalle (Abk. REH) handelt es sich um ein modulares architektonisches System, dessen einzelne Raumelemente teleskopartig ausgefahren werden können, um einen fest überdachten, umschlossenen und dennoch transportablen Multifunktionsraum zu bilden.

In der DDR gehörte die Raumerweiterungshalle zum alltäglichen Leben, lange Zeit hat sie die dortige Architekturlandschaft mitgeprägt. Ebenso einfach wie einzigartig in ihrer Form und unschlagbar praktisch in ihrer Flexibilität wurde sie zu einem Symbol für mobile Architektur in der DDR. Das Bemerkenswerte  an der Raumerweiterungshalle ist, dass sie gleichzeitig eine transportable und flexible Raumlösung bietet: Der reduzierte Umriss eines Wohnwagens in der Ansicht der Vorder- und Rückseite steht für Mobilität, die Wiederholung der sich verkleinernden Elemente in der Seitenansicht für Flexibilität und Variabilität. Diese beiden formgebenden Aussagen ergeben in ihrem Zusammenwirken eine neue architektonische Form von symbolhafter Einfachheit und starker Signifikanz.

GESCHICHTE
Entwickelt und produziert wurde die Raumerweiterungshalle in Boizenburg/ Elbe, im westlichen Teil Mecklenburgs, dem damaligen Bezirk Schwerin. Dort gründete Helmut Both 1944 den Betrieb für Maschinen und Apparatebau für Land- und Forstwirtschaft. Dieser wurde 1958 auf Druck des Staates zunächst in einen Betrieb mit staatlicher Beteiligung (BSB), 1972 dann in einen volkseigenen Betrieb, zum VEB Metallbau Boizenburg, später auch Kombinat Fertigelemente, umgewandelt. Unter diesen Eigentumsformen wurden von 1959 bis 1989 transportable und leicht umsetzbare Stahlbauten in verschiedenen Entwicklungsstufen hergestellt. 1959 stellte Firmengründer Helmut Both die ersten Entwürfe für die „Transportable Raumerweiterungshalle“ vor, die 1966 – nach einer Weiterentwicklung durch seinen Sohn Klaus – in Serienproduktion ging. Der Klassiker der Reihe, die „Variant“, wurde bis 1989 fast 3.500 mal gebaut.

BESCHREIBUNG
Die Raumerweiterungshalle besteht aus bis zu acht teleskopartig ausziehbaren Tunnelelementen. Der Grundrahmen ist eine Stahlleichtkonstruktion, die beim Transport die Eigenschaften des Fahrgestells und im aufgestellten Zustand die des Fundaments übernimmt. Die erste und größte Raumzelle ist fest mit dem Grundrahmen verbunden, ihre Bodenfläche dient beim Transport als Ladefläche für die kleineren Raumzellen. Jedes Segment hat eine Länge von 2 Metern, so dass im ausgezogenen Zustand eine Länge von maximal 16 Metern erreicht wird und ein Innenraum mit einer Fläche von mehr als 80 Quadratmetern entsteht. Typisch ist die eigenwillige Frontsilhouette mit den abgerundeten Übergängen zwischen Dach und Wand und den nach innen geneigten Außenwänden. Die Außenhülle besteht aus eloxiertem Aluminiumblech.

Ohne weitere Hilfsgeräte lässt sich die Halle in kürzester Zeit mit nur wenigen Handgriffen auseinander fahren – so verspricht es zumindest der Prospekt der Herstellerfirma.

EINSATZGEBIETE
Überall dort, wo durch häufigen Standortwechsel und Weitertransport der schnelle Auf- und Abbau eines für den jeweiligen Verwendungszweck erforderlichen großen Raumes notwendig wurde, überall dort, wo sich der Aufbau massiver Bauten nicht rentierte oder durch bestimmte Umstände noch nicht möglich war, kam die Raumerweiterungshalle zum Einsatz.

VERWENDUNGSMÖGLICHKEITEN
Die Raumerweiterungshalle wurde zum Beispiel für Ausstellungsräume (Wanderausstellungen), Kulturräume, Post- und Versorgungseinrichtungen, Gaststätten und Eisdielen, Verkaufsräume für Neubaustadtgebiete genutzt. Aber auch als Zelt- und Naherholungsstätten, als Lager- und Unterkunftsräume, auf Baustellen als Werkstätten, Büroräume und Schulungsräume konnte die Raumerweiterungshalle eingesetzt werden. Für die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten gab es praktisch keine Grenzen.

REH Kunst
Seit Frühjahr 2011 befindet sich mit „REH Kunst“ eine solche Raumerweiterungshalle auch in der Kopenhagener Straße in Berlin Prenzlauerberg. Als Kunsthalle wird sie nun mit  interdisziplinären Ausstellungsprojekten bespielt. Hierher gezogen ist sie aus der Ehrenbergstraße in der Oberbaum City in Berlin Friedrichshain, wo sie unter dem Namen „Intershop 2000“ als Verkaufshalle für DDR-Konsumartikel betrieben wurde – gleich neben einem zweiten Objekt, das zu Ausstellungszwecken als „Schaufenster des Ostens“ genutzt wurde. Beide Hallen standen dort seit dem 1. Oktober 1998 zur Zwischennutzung, nachdem sie von Mitgliedern des Vereins zur Dokumentation der DDR-Alltagskultur vor der Verschrottung gerettet und instandgesetzt wurden. Aufgrund von Baumaßnahmen der städtebaulichen Planungen auf dem Gelände musste der Standort jedoch geräumt und die Hallen zum Verkauf angeboten werden.

Die Raumerweiterungshalle vom Typ „Variant“ wurde 1976 gebaut und diente bis 1990 als Ladenfläche für den Intershop am Berliner Ostbahnhof. Sie ist eine von wenigen noch erhaltenen Objekten. Die Raumerweiterungshallen lassen sich heute nur noch vereinzelt finden – nach der Wende wurden sie als nicht mehr zeitgemäß empfunden und bis auf einige Ausnahmen entsorgt.

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Die REH – Zur Historie der transportablen Raumerweiterungshalle

1944 Gründung des Betriebs „Maschinen und Apparatebau für Land- und Forstwirtschaft“ in Boizenburg/ Elbe durch Helmut Both, welcher

1958 auf Druck des Staates in einen Betrieb mit staatlicher Beteiligung (BSB) umgewandelt wird.

1959 Helmut Both stellt die ersten Entwürfe für die „Transportable Raumerweiterungshalle“ vor, die 1966 nach einer Weiterentwicklung durch seinen Sohn Klaus in Serienproduktion geht: Auf der Leipziger Messe 1959 wird der Prototyp, eine seitlich zu öffnende Rundbogenhalle, präsentiert. Bis 1989 werden die transportablen und leicht umsetzbaren Stahlleichtbauten – in verschiedenen Entwicklungsstufen – fast 3.500 mal hergestellt. Zum Einsatz kommen sie hauptsächlich auf dem Gebiet der DDR. Nicht wenige werden zudem in die Sowjetunion, in die Niederlande, in den Irak, in den Jemen, nach Syrien, Algerien, Guinea sowie nach West-Berlin exportiert.

1960-65 Fertigung der teleskopartig zusammenschiebbaren Rundbogenhalle (ca. 50 Stück)

1962-68 Produktion des 2-Tunnel-Bungalows „WOHA“, mit Vorzelt und Veranda konzipiert als Ferienhaus für die Mitarbeiter der Volkseigenen Betriebe, VEB (ca. 50 Stück)

1966-78 Der Typ „Variant“, auch „Ziehharmonikahalle“, der als Klassiker der Reihe gilt, wird gebaut (ca. 865 Stück). Das teleskopartige Tunnelsystem kann auf bis zu acht Segmente erweitert werden. Im vollständig ausgezogenen Zustand erreicht die Halle so eine Länge von 16 m, die Fläche des Innenraums beträgt ca. 85 qm. Durch die Größe und Flexibilität ergeben sich ebenso zahlreiche wie vielfältige Nutzungsmöglichkeiten: als Gaststätte, als Verkaufsstelle für HO und Konsum, als saisonale Unterkunft für Kinderferienlager, als Baustellenbüro, als Aufenthaltsraum und Speisesaal ebenso wie als Sanitärtrakt.

1972 Zwangsumwandlung des von Helmut Both gegründeten Betriebs in „VEB Metallbau Boizenburg“, später auch „Kombinat Fertigelemente“ genannt.

7.7.1977 Die 777. Raumerweiterungshalle wird ausgeliefert.

1979-1989 Aufgrund des im Jahre 1979 ausgesprochenen Verwendungsverbots von Aluminium für sogenannte volkswirtschaftliche Bereiche wird ein neuer Typ der Raumerweiterungshalle aus Stahlblech mit 8 Tunneln und einer Grundfläche von 128 qm entwickelt und unter dem Namen „Teleskophalle“ vertrieben (ca. 2440 Stück).

Nach der Wende geriet die REH trotz der relativ hohen Produktionszahlen relativ schnell in Vergessenheit, da die Herstellung unrentabel war und deshalb eingestellt wurde. Ein großer Teil der Hallen wurde entsorgt und verschrottet – oder beim Abzug der russischen  Armee 1994 nach Russland, Litauen und in die Ukraine überführt.

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History of the REH

REH (Raumerweiterungshalle; literally, space-extending building) refers to a modular architectonic system whose individual elements can be telescopically extended to form a multi-functional space that remains transportable despite its solid roof, floor, and walls.

The REH was a part of everyday life in East Germany and long helped shape its architectural landscape. With a form that is no less simple than it is unique and an unbeatably practical flexibility, it became a symbol for the mobile architecture of East Germany. What is remarkable about the REH is that it offers a solution for spatial issues that is simultaneously transportable and flexible: Seen from the front or the rear, the reductive contours of a mobile home stand for mobility; seen from the side, the repetition of the progressively smaller elements stands for flexibility and adaptability. Collectively, these two form-defining statements produce a new architectonic form of emblematic simplicity and strong significance.

HISTORY
The REH was developed and produced in Boizenburg an der Elbe, in Western Mecklenburg (in the former East German district of Schwerin). Here, in 1944, Helmut Both founded a company to build machines and equipment for the agricultural and lumber industries. In 1958, under pressure from the East German government, this was initially converted into a BSB (Betrieb mit staatlicher Beteiligung; a sort of East German public-private enterprise). In 1972, this was then converted into a VEB (volkseigener Betrieb; a publicly owned company or, literally, a company owned by the people) named VEB Metallbau Boizenburg. This was later also known as the Kombinat Fertigelemente (conglomerate for pre-fabricated elements). Under these various forms of ownership, transportable and easily reinstalled steel structures were manufactured and developed in the form of various models. In 1959, the company’s founder, Helmut Both, presented the first designs for the “Transportable REH”; in 1966, following his son Klaus’s further development of these plans, the REH went into serial production. The line’s classic model was the “Variant,” and almost 3500 of these were produced before Reunification of Germany in 1989.

DESCRIPTION
The REH consists of up to eight telescoping tunnel elements. The REH is based on a light steel-frame structure that serves as an undercarriage during transport and as a foundation when the REH has been erected. The first and largest tunnel segment is permanently attached to this base and also serves to store the smaller segments during transport. Each segment is 2 meters (circa 7 feet) long, meaning that a maximum length of 16 meters (circa 50 feet) and a maximum floor space of over 80 square meters (circa 850 square feet) can be attained. The idiosyncratic silhouette of the front end of the REH is typical—with the rounded transitions between roof and wall and the inward slant of the outer walls. The outer covering consists of anodized aluminum sheeting.

With no need for additional tools, the REH can be disassembled in only a few steps—at least that is what the manufacturer’s brochure promises. 

USE OF THE REH
Everywhere where repeated relocation and transportation demanded the rapid assembly and disassembly of a room at a size appropriate to the needs of the given use, everywhere where the construction of permanent structures was unprofitable or rendered impossible by the given circumstances—the REH was put to use.

POTENTIAL APPLICATIONS
The REH was used, for example, for exhibition spaces (traveling exhibitions), cultural centers, post offices, providing services, restaurants, ice-cream shops, and stores for new sections of cities. However, the REH could also be used for camping and trips to the countryside, as storage or living space, as a workshop at construction sites, as office space, and as rooms for conducting training. There were practically no limits to the diverse possibilities for its use. 

REH Kunst
Since spring 2011, the “REH Kunst” has been located in the Kopenhagener Straße of Berlin’s Prenzlauer Berg. As a Kunsthalle, a non-commercial gallery, this REH now serves as a venue for interdisciplinary exhibition projects. It moved here from the Ehrenbergstraße in Berlin-Friedrichshain’s Oberbaum City, where it served as the “Intershop 2000,” a store selling East German consumer goods—and was directly adjacent to a second REH, which served as an exhibition venue and was known as the “Schaufenster des Ostens” (Store Window of the East). Both REHs had been located there since October 1, 1998, and were to be put to temporary use after they were saved from demolition and then renovated by members of the Verein zur Dokumentation der DDR-Alltagskultur (association for documenting the everyday culture of East Germany). However, because of a construction project of the department of city planning, the property had to be vacated and the REHs were put up for sale.

This REH (model: “Variant”) was built in 1976; until 1990, it served to provide additional space for the Intershop next to Berlin’s Ostbahnhof. It is among the few remaining examples of the REH. Today, these can be found only occasionally: After Reunification, they were seen as no longer sufficiently modern and, with few exceptions, they were scrapped.

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A Chronology of the REH

1944 Helmut Both founds the company Maschinen und Apparatebau für Land- und Forstwirtschaft (machine and equipment manufacturer for the agricultural and lumber industries) in Boizenburg an der Elbe.

1958 Pressure from the government leads to the transformation of the company into a BSB (a sort of East German public-private enterprise).

1959 Helmut Both presents the first designs for the “Transportable REH,” his son Klaus will further develop these plans and, in 1966, the REH will go into serial production.The prototype, which featured an arched roof, is presented at the 1959 Leipzig Trade Fair. Almost 3500 of these transportable and easily reinstalled light steel-frame structures—developed in the form of various models—will be manufactured by 1989. They are used primarily within East Germany. However, a significant number will also be exported to the Soviet Union, the Netherlands, Iraq, Yemen, Syria, Algeria, and Guinea, as well as to West Berlin.

1960–65 Production of telescoping, compactible REHs with arched roofs (circa 50 produced).

1962–68 Production of the two-tunnel bungalow “WOHA,” featuring a tent extension and porch and conceived as a vacation cabin for employees of VEBs (state-owned businesses) (circa 50 produced).

1966–78 Building of the model “Variant,” which was the classic model of the line and was also called the “accordion building” (circa 865 produced). The telescoping tunnel system can be expanded through up to eight segments. When fully extended, the REH thus has a length of 16 meters (circa 50 feet) and a floor space of circa 85 square meters (circa 850 square feet). Through its large size and flexibility, its potential uses are both numerous and diverse: It could contain restaurants, state-run grocery markets, seasonal housing for children’s summer camps, a lounge, a dining hall, or even toilets.

1972 Forced transformation of the company founded by Helmut Both into the “VEB Metallbau Boizenburg,” later also referred to as the “Kombinat Fertigelemente” (conglomerate for pre-fabricated elements).

1977 (July 7) The 777th REH is delivered.

1979–89 Because of a 1979 ban on the use of aluminum for the so-called civilian economy, a new REH model is developed that features steel sheeting, eight tunnels, and a surface of 128 square meters (circa 1300 square feet); this model is sold under the name “Teleskophall” (circa 2440 produced).

After the Reunification, the REH was fairly quickly forgotten in spite of its relatively high production levels: Its manufacture was not profitable and production was therefore ceased. A large number of the REHs were removed and scrapped—or taken to Russia, Lithuania, and the Ukraine when the Russian army withdrew from Germany in 1994.